Was ist Reformer Pilates? Gerät, Übungen, Ablauf einer Stunde

Wer zum ersten Mal ein Reformer-Studio betritt, sieht meistens erst mal ein Gerät, das eher an ein Foltergestell als an ein Fitnessgerät erinnert: ein flacher Wagen auf Schienen, gespannte Federn, Riemen für Hände und Füße. Genau dieses Gerät — der Reformer — gibt der Trainingsform ihren Namen.
Was ist Reformer Pilates genau?
Reformer Pilates ist eine Form des Pilates-Trainings, die auf einem speziellen Gerät stattfindet statt auf einer Matte. Der Reformer besteht aus einem beweglichen Wagen (der "Carriage"), der über ein Federsystem einen einstellbaren Widerstand erzeugt. Riemen und eine Fußstange ermöglichen dutzende Übungsvarianten für Rumpf, Beine, Arme und Rücken — meist in liegender, sitzender oder kniender Position.
Erfunden hat das Gerät niemand geringerer als Joseph Pilates selbst, in den 1920er-Jahren in New York. Ursprünglich als Reha-Gerät für verletzte Tänzer gedacht, ist der Reformer heute fester Bestandteil von Boutique-Studios weltweit.
Das Reformer-Pilates-Gerät im Detail
Auf den ersten Blick wirkt der Reformer kompliziert, er besteht aber aus wenigen Teilen. Wer sie kennt, versteht die Ansagen in der ersten Stunde sofort:
- Rahmen und Schienen: ein flacher, meist 2,3 bis 2,5 Meter langer Rahmen aus Holz oder Aluminium. Auf zwei Schienen läuft der Wagen.
- Wagen (Carriage): die gepolsterte Liegefläche, die sich vor und zurück bewegt. Auf ihm liegst, sitzt, kniest oder stehst du.
- Federn (Springs): verbinden den Wagen mit dem Rahmen und erzeugen den Widerstand. Die meisten Geräte haben vier bis fünf Federn mit unterschiedlicher Stärke, farblich markiert. Die Farben unterscheiden sich je nach Hersteller, deshalb sagt die Trainerin in der Stunde meist an, welche Federn eingehängt werden.
- Fußstange (Footbar): die gepolsterte Stange am Kopfende des Rahmens, gegen die du mit den Füßen oder Händen drückst. Sie lässt sich in der Höhe verstellen.
- Schulterpolster und Kopfstütze: halten dich auf dem Wagen, wenn du dich gegen die Federn wegdrückst.
- Riemen und Seilzug: Schlaufen für Hände oder Füße, die über Umlenkrollen am Ende des Rahmens laufen. Mit ihnen ziehst du den Wagen statt ihn wegzudrücken.
- Zubehör: Die Sitzbox wird quer oder längs auf den Wagen gelegt, für Übungen im Sitzen und in Bauchlage. Das Jumpboard ersetzt die Fußstange durch eine Sprungplatte für ein gelenkschonendes Cardio-Training im Liegen.
Leichte Federn heißen dabei nicht automatisch „einfach“. Bei manchen Übungen macht weniger Widerstand die Bewegung schwerer, weil der Rumpf den instabilen Wagen dann stärker kontrollieren muss.
Typische Reformer-Übungen
Die meisten Stunden bauen auf einem festen Kern klassischer Reformer-Übungen auf. Diese Namen hörst du fast überall:
- Footwork: Rückenlage, Füße auf der Fußstange, Beine strecken und beugen. Der Einstieg in fast jede Stunde.
- The Hundred: wie auf der Matte, aber mit den Händen in den Riemen.
- Feet in Straps: Rückenlage, Füße in den Schlaufen, mit Kreisen, Frosch-Bewegung und Öffnen der Beine. Gut für Hüfte und Innenseiten der Oberschenkel.
- Elephant: Hände auf der Fußstange, Füße auf dem Wagen, Becken hoch. Der Wagen wird mit gestreckten Beinen vor und zurück geschoben.
- Long Stretch: ein Stütz mit den Händen auf der Fußstange, der Wagen bewegt sich unter den Füßen. Fordert Schultern und Rumpf.
- Short Box Series: im Sitzen auf der Sitzbox, Füße unter einem Riemen. Rumpfbeugen, Drehungen und Seitneigungen.
- Knee Stretches: kniend auf dem Wagen, Hände auf der Fußstange, Knie schieben den Wagen nach hinten.
Viele dieser Übungen haben eine Mattenversion. Die Reformer-Variante steht bei den passenden Übungen in den Pilates-Übungen für zu Hause.
Reformer Pilates vs. Mattenpilates: der Unterschied
Wie Pilates als Methode insgesamt funktioniert, erklärt der Artikel Was ist Pilates?. Die zwölf Grundübungen für die Matte stehen in Pilates-Übungen für zu Hause. Wie sich der Reformer vom Megaformer unterscheidet, auf dem Lagree trainiert wird, steht in Lagree vs. Reformer Pilates.
Der größte Unterschied liegt im Widerstand. Bei Mattenpilates ist das eigene Körpergewicht die einzige Belastung — Fortschritt entsteht durch Technik und Wiederholung. Beim Reformer sorgen die Federn für einen Widerstand, der sich während der Bewegung verändern lässt: mehr Spannung für Kraftaufbau, weniger für saubere, kontrollierte Bewegungsabläufe.
Das macht Reformer Pilates in zwei Richtungen zugänglicher:
- Für Anfänger, weil sich jede Übung durch die Federspannung leichter oder schwerer einstellen lässt, statt komplett neu erlernt werden zu müssen.
- Für Fortgeschrittene, weil der Wagen Instabilität erzeugt, die auf der Matte gar nicht möglich ist — das fordert die Tiefenmuskulatur zusätzlich.
Für wen eignet sich Reformer Pilates?
Praktisch für jeden, der an Rumpfkraft, Haltung und Beweglichkeit arbeiten möchte, ohne die Gelenke stark zu belasten. Besonders häufig wird Reformer Pilates empfohlen bei:
- Rückenschmerzen und Haltungsproblemen durch viel Sitzen
- Reha nach Verletzungen (in Absprache mit Physiotherapeut:in)
- Schwangerschaft und Rückbildung (mit angepasstem Programm)
- Ergänzungstraining für Läufer:innen, Tänzer:innen und Kraftsportler:innen
Komplett neu bei Pilates? Ob du besser mit Matte oder Reformer anfängst, vergleichen wir in Pilates für Anfänger.
Wie läuft eine Reformer-Pilates-Stunde ab?
Eine typische Gruppenstunde dauert 45–55 Minuten und beginnt meist mit einer kurzen Aufwärmsequenz auf dem Gerät selbst. Die Trainer:in stellt Federn und Übungen auf das Niveau der Klasse ein und führt durch eine Abfolge aus Bauch-, Rücken-, Bein- und Ganzkörperübungen. Anders als im Fitnessstudio trainiert man hier nicht allein — die Anleitung ist durchgehend, was Reformer Pilates auch für komplette Anfänger:innen unproblematisch macht.
Mitbringen musst du wenig: bequeme, eng anliegende Sportkleidung ohne Reißverschlüsse (Details im Ratgeber zur Pilates-Kleidung) und rutschfeste Pilates-Socken, die fast jedes Studio verlangt. Ein Studio in deiner Stadt findest du in der Studiosuche.
Reformer Pilates zu Hause: Studio oder eigenes Gerät?
Eine Studiostunde kostet je nach Stadt und Anbieter zwischen 20 und 35 Euro als Einzelbuchung, günstiger im Abo. Wer lieber zu Hause trainiert, kann ein eigenes Reformer-Gerät anschaffen — die Preisspanne reicht von kompakten Einsteigermodellen bis zu Studioqualität für den Heimgebrauch. Der Reformer-Kaufratgeber vergleicht die gängigen Modelle nach Budget und Platzbedarf.
Häufige Fragen zu Reformer Pilates
Ist Reformer Pilates für Anfänger geeignet? Ja. Der Widerstand der Federn lässt sich in jeder Übung anpassen, deshalb ist Reformer Pilates eher anfängerfreundlicher als viele Mattenübungen, bei denen das eigene Körpergewicht die einzige Stellschraube ist.
Was ist der Unterschied zwischen Reformer Pilates und Mattenpilates? Mattenpilates nutzt nur das eigene Körpergewicht und den Boden. Reformer Pilates läuft auf einem Gerät mit einem verschiebbaren Wagen, Federn und Riemen, das den Widerstand während der Bewegung verändert und so mehr Variation und Unterstützung bietet.
Wie oft sollte man Reformer Pilates machen? Ein bis zwei Einheiten pro Woche reichen aus, um spürbare Fortschritte bei Haltung, Rumpfkraft und Beweglichkeit zu bemerken. Für schnellere Ergebnisse sind drei Einheiten pro Woche üblich.
Kann man Reformer Pilates auch zu Hause machen? Ja, mit einem eigenen Reformer-Gerät. Die Anschaffung kostet je nach Modell zwischen 300 und über 2.000 Euro — ein separater Ratgeber vergleicht die gängigen Heimgeräte nach Budget.