Pilates Geräte: Überblick über die Ausrüstung

"Pilates-Geräte" meint zwei sehr unterschiedliche Dinge. Zum einen die großen Studiogeräte, die Joseph Pilates selbst entwickelt hat — Reformer, Cadillac und weitere. Zum anderen die handlichen Kleingeräte, mit denen man das Mattentraining zu Hause ergänzt. Dieser Überblick geht beide durch und sagt jeweils dazu, ob sich die Anschaffung für zu Hause lohnt.
Wenn du erst mal wissen willst, was Pilates überhaupt ausmacht, lies was Pilates ist. Wer die Geschichte hinter den Geräten interessant findet: die entstand größtenteils in Joseph Pilates' New Yorker Studio.
Die großen Pilates-Geräte
Diese Geräte stehen normalerweise im Studio. Sie sind teuer, brauchen Platz und die Einweisung durch eine Trainerin — für zu Hause kommt in der Regel höchstens der Reformer infrage. Den Megaformer, das Gerät hinter dem Lagree-Training, vergleichen wir in Lagree vs. Reformer Pilates.
Reformer
Das bekannteste Pilates-Gerät: ein flacher Wagen, der auf Schienen läuft und über Federn einen einstellbaren Widerstand erzeugt. Dazu Riemen für Hände und Füße und eine Fußstange. Der Reformer deckt mehrere hundert Übungen für den ganzen Körper ab und ist das einzige der großen Geräte, das auch als Heimversion verbreitet ist.
Mehr dazu: Was ist Reformer Pilates? — und wenn du mit dem Kauf liebäugelst, der Reformer-Kaufratgeber nach Budget.
Cadillac (Trapeztisch)
Eine erhöhte Liegefläche mit einem Rahmen aus Stahlrohr darüber, an dem Federn, Trapezstangen und Schlaufen hängen. Der Cadillac erlaubt sehr geführte, unterstützte Bewegungen und wird viel in der Reha und im Personal Training eingesetzt. Groß, schwer, teuer — praktisch nie ein Heimgerät.
Combo Chair / Wunda Chair
Ein kompakter, hockerähnlicher Aufbau mit einem gefederten Pedal. Wirkt harmlos, ist aber eines der anspruchsvollsten Geräte, weil die Übungen viel Rumpfstabilität verlangen. Braucht wenig Platz und wird deshalb gelegentlich auch privat angeschafft.
Ladder Barrel
Eine gepolsterte Halbtonne mit einer kleinen Sprossenwand im Abstand davor. Vor allem für die Beweglichkeit der Wirbelsäule und tiefe Dehnungen. Ein reines Studiogerät.
Tower
Eine Art halber Cadillac: ein senkrechter Rahmen mit Federn, Trapezstange und Rolldown-Stange, der entweder am Kopfende eines Reformers montiert oder als eigenständiges Wandgerät aufgestellt wird. Viele Studios kombinieren Reformer und Tower, weil man so die Übungen beider Geräte auf der Stellfläche eines einzigen bekommt. Für zu Hause kommt er nur zusammen mit einem hochwertigen Reformer infrage.
Spine Corrector / Step Barrel
Die kleine, günstige Variante aus der Barrel-Familie: ein gebogener Schaumstoff- oder Holzkörper, über den man sich legt, um die Wirbelsäule zu mobilisieren und die Bauchmuskulatur im gedehnten Bereich zu kräftigen. Klein und bezahlbar genug für zu Hause.
Die Kleingeräte für zu Hause
Das ist die Ausrüstung, um die es den meisten geht, die nach "Pilates-Geräten" suchen. Alles zusammen kostet weniger als eine einzige Feder für einen Studioreformer.
Pilates-Matte
Etwas dicker und griffiger als eine Yogamatte, weil bei Pilates viel auf der Wirbelsäule gerollt wird. 8 bis 15 Millimeter Stärke sind angenehm. Das einzige echte Muss.
Großer Gymnastikball
Der 55 bis 75 Zentimeter große Ball, auch Swiss Ball oder Sitzball genannt. Bringt Instabilität in Übungen wie die Brücke oder Bauchübungen und eignet sich für sanfte Mobilisation. Ballgröße nach Körpergröße wählen.
Kleiner Soft-Ball (Pilates-Ball)
Ein 20 bis 28 Zentimeter großer, weicher Ball — das, was im Handel meist als „Pilates-Ball“ verkauft wird. Zwischen die Knie geklemmt aktiviert er die Innenseite der Oberschenkel und den Beckenboden, hinter dem Rücken hilft er, die C-Kurve zu finden. Günstig und vielseitig. Größe, Füllung und sechs Übungen erklärt der Ratgeber zum Pilates-Ball.
Pilates-Ring (Magic Circle)
Ein flexibler Ring aus Federstahl oder Kunststoff, etwa 35 Zentimeter im Durchmesser, mit zwei Griffpolstern. Man drückt ihn zwischen Händen, Knien oder Knöcheln zusammen und bekommt so einen dosierten Widerstand. Das klassischste Pilates-Kleingerät überhaupt. Acht Übungen mit Bildern stehen in unserem Artikel zu Pilates-Ring-Übungen.
Widerstandsband (Theraband)
Ein einfaches Gummiband ersetzt bei vielen Übungen die Reformer-Riemen: für Zugbewegungen der Arme, zum Führen der Beine, für Dehnungen. Nimmt keinen Platz weg und kostet ein paar Euro.
Schaumstoffrolle (Foam Roller)
Eine rund 90 Zentimeter lange Rolle. Der Länge nach daraufgelegt wird jede Rumpfübung zur Balanceübung; quer darunter dient sie der Faszien- und Rückenmobilisation. Eine der nützlichsten Anschaffungen nach der Matte.
Pilates-Block
Ein fester Schaumstoff- oder Korkblock, wie man ihn aus dem Yoga kennt. Beim Pilates dient er vor allem als Hilfe: unter dem Becken für eine unterstützte Brücke, unter dem Kopf in Rückenlage, wenn der Nacken spannt, oder als Erhöhung im Sitz, wenn die hinteren Oberschenkel noch keinen aufrechten Sitz zulassen. Günstig und für Anfänger:innen eines der hilfreichsten Kleingeräte.
Gewichte und Hanteln
Leichte Hanteln von 0,5 bis 2 Kilogramm oder Gewichtsmanschetten für Hand- und Fußgelenke. Bei Pilates mit Gewichten geht es nicht um schwere Lasten wie im Krafttraining, sondern darum, Arm- und Beinübungen etwas mehr Widerstand zu geben, ohne die Kontrolle zu verlieren. Typische Einsatzorte sind Armserien im Stand oder Sitz und die Side-Lying Leg Series. Zu schwere Gewichte sind der häufigste Fehler: Sobald die Schultern hochziehen oder das Becken wackelt, ist das Gewicht zu schwer.
Balance-Pad und Rotationsscheiben
Ergänzungen für Fortgeschrittene: ein weiches Schaumstoffkissen für Standübungen, kleine Drehscheiben für kontrollierte Rotationen. Nice-to-have, kein Einstiegskauf.
Pilates Board (Reformer Board)
Ein faltbares Brett mit Widerstandsbändern, Griffen und oft einem rollenden Bauchroller-Teil, im Handel auch als Pilates Reformer Board verkauft. Gut für Bauch-, Stütz- und Bandübungen auf wenig Platz, aber kein Ersatz für einen echten Reformer. Was es kann und worauf du beim Kauf achtest, steht im Ratgeber zum Pilates Board.
Was man wirklich braucht
Für den Start reicht die Matte. Wer etwas mehr Abwechslung will, ergänzt in dieser Reihenfolge:
- Widerstandsband
- Pilates-Ring oder kleiner Ball
- Schaumstoffrolle
- großer Gymnastikball
Dieses Set kostet zusammen meist unter 80 Euro und deckt praktisch alles ab, was ein Heim-Mattentraining braucht. Konkrete Übungen dazu — mit den häufigsten Fehlern — stehen in den Pilates-Übungen für zu Hause.
Kleingeräte oder großes Gerät?
Kleingeräte verändern das Mattentraining, sie ersetzen es nicht. Der Sprung zu einem eigenen Gerät lohnt sich erst, wenn du regelmäßig trainierst, den Widerstand feiner steuern willst und der Platz da ist. In dem Fall ist der Reformer die naheliegende Wahl — der Kaufratgeber geht die Preisklassen und Kaufkriterien durch. Wer lieber mit Anleitung trainiert, findet in der Studiosuche Reformer-Studios nach Stadt.
Häufige Fragen
Welche Geräte braucht man für Pilates? Für klassisches Mattenpilates zu Hause braucht man streng genommen nur eine Matte. Sinnvolle Ergänzungen sind ein Pilates-Ring, ein kleiner Ball, ein Widerstandsband und eine Rolle — zusammen für unter 80 Euro. Die großen Geräte wie Reformer oder Cadillac stehen meist im Studio.
Was ist der Unterschied zwischen Pilates-Geräten und Reformer Pilates? Reformer Pilates ist Training auf einem bestimmten Gerät, dem Reformer. Der Reformer ist aber nur eines von mehreren großen Pilates-Geräten. Dazu kommen Cadillac, Combo Chair, Ladder Barrel und Spine Corrector sowie zahlreiche Kleingeräte für das Training auf der Matte.
Welche Pilates-Geräte lohnen sich für zu Hause? Für die meisten: Matte, Pilates-Ring, ein kleiner und optional ein großer Ball, ein Widerstandsband und eine Schaumstoffrolle. Ein Reformer lohnt sich zu Hause nur, wenn man regelmäßig trainiert und den Platz hat.
Braucht man für Pilates zu Hause überhaupt Geräte? Nein. Alle Grundübungen des klassischen Mattenpilates funktionieren allein mit dem eigenen Körpergewicht auf einer Matte. Kleingeräte machen bestimmte Übungen leichter, schwerer oder abwechslungsreicher, sind aber kein Muss.