Wand-Pilates: 5 Übungen an der Wand mit Anleitung und Plan

Wand-Pilates: 5 Übungen an der Wand mit Anleitung und Plan

Wand-Pilates hat sich über Social Media verbreitet, die Idee ist aber alt: Schon das klassische Mattenprogramm von Joseph Pilates endet mit einer kurzen Serie an der Wand. Die Wand ist dabei Stütze und Spiegel zugleich. Sie zeigt dir, ob Rücken, Becken und Schultern dort sind, wo sie sein sollen, und sie macht manche Übungen leichter, andere deutlich anstrengender.

Hier bekommst du fünf Übungen mit Bild und Anleitung, die typischen Fehler und einen Plan für die ersten vier Wochen. Mehr brauchst du nicht als eine freie Wand und eine Matte.

Hinweis: Bei Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen, in der Schwangerschaft oder nach einer Verletzung sprich vor dem Training mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Pilates-Trainerin.

Was du brauchst

  • Eine freie Wand ohne Bilder, Regale oder Heizkörper, etwa zwei Meter breit.
  • Eine rutschfeste Matte, die mit der kurzen Seite an die Wand passt.
  • Rutschfeste Socken oder barfuß. Mit glatten Socken rutschen die Füße bei Wandbrücke und Wandsitz weg. Was sich bewährt, steht in unserem Artikel zu Pilates-Socken.

Die 5 Übungen

1. Roll Down an der Wand

Roll Down an der Wand: Becken an der Wand, Oberkörper rund nach vorne gerollt, Kopf und Arme hängen

Ausführung: Mit dem Rücken an die Wand stellen, Fersen etwa eine Handbreit vor der Wand, Füße hüftbreit, Knie locker. Kinn zur Brust sinken lassen und Wirbel für Wirbel nach vorne abrollen, die Arme hängen. Das Becken bleibt an der Wand. Unten kurz ausatmen, dann Wirbel für Wirbel wieder an die Wand zurückrollen. 5 Wiederholungen. Häufiger Fehler: Das Becken löst sich von der Wand und man beugt sich aus der Hüfte. Nur so weit rollen, wie das Becken an der Wand bleiben kann. Wofür: Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Übung ist der klassische Einstieg und Abschluss jeder Einheit.

2. Wandbrücke

Wandbrücke: Rückenlage, Füße an der Wand, Knie im rechten Winkel, Becken angehoben

Ausführung: Rückenlage, das Gesäß so nah an der Wand, dass die Knie etwa im rechten Winkel stehen, die Fußsohlen flach an der Wand. Arme lang neben dem Körper. Ausatmen, die Füße in die Wand drücken und das Becken Wirbel für Wirbel anheben, bis Schultern, Hüfte und Knie eine Linie bilden. Wirbel für Wirbel ablegen. 10 Wiederholungen. Häufiger Fehler: Das Gewicht landet im Nacken. Es liegt auf den Schulterblättern, der Kopf bleibt locker auf der Matte. Wofür: Po und hintere Oberschenkel. Weil die Füße an der Wand stehen, arbeitet die Rückseite der Beine mehr als bei der Brücke auf dem Boden. Die klassische Variante findest du in unseren Pilates-Grundübungen.

3. Wandsitz

Wandsitz: Rücken an der Wand, Oberschenkel waagerecht, Knie über den Fersen

Ausführung: Mit dem Rücken an der Wand die Füße etwa zwei Fußlängen nach vorne setzen, dann an der Wand nach unten gleiten, bis die Oberschenkel waagerecht sind oder so tief, wie es angenehm ist. Die Knie stehen über den Fersen, der ganze Rücken liegt an der Wand. 20 bis 45 Sekunden halten. Häufiger Fehler: Die Knie schieben sich über die Zehen. Dann die Füße weiter von der Wand weg setzen. Wofür: Oberschenkel und Po. Wer die Wand als "Stuhl" noch zu schwer findet, bleibt höher.

4. Liegestütz an der Wand

Liegestütz an der Wand: Körper in gerader Linie, Hände an der Wand, Ellbogen gebeugt, Brust nah an der Wand

Ausführung: Etwa eine Armlänge vor der Wand stehen, die Hände schulterbreit auf Schulterhöhe an die Wand legen. Der Körper bildet vom Kopf bis zu den Fersen eine gerade Linie. Einatmen, die Ellbogen schräg nach hinten beugen und die Brust zur Wand bringen, ausatmen und zurückdrücken. 10 bis 12 Wiederholungen. Häufiger Fehler: Die Hüfte knickt ein oder schiebt sich nach hinten. Bauch und Po halten die Linie. Je weiter die Füße von der Wand weg stehen, desto schwerer wird die Übung, die Fersen dürfen sich dann vom Boden lösen. Wofür: Brust, Arme und Schultern. Eine gute Vorstufe für den Liegestütz am Boden.

5. Seitliches Beinheben an der Wand

Seitliches Beinheben: aufrechter Stand, eine Hand an der Wand, äußeres Bein seitlich angehoben

Ausführung: Seitlich neben die Wand stellen, die innere Hand liegt locker an der Wand. Aufrecht stehen, das äußere Bein gestreckt zur Seite heben, nicht höher als es geht, ohne dass sich der Oberkörper zur Seite neigt. Langsam senken. 12 Wiederholungen pro Seite. Häufiger Fehler: Der Oberkörper kippt von der Wand weg, um das Bein höher zu bringen. Die Höhe ist egal, aufrecht bleiben ist das Ziel. Wofür: Seitlicher Po und Hüftstabilität. Die Wand nimmt dir die Balance ab, damit die Muskeln arbeiten.

Dein 4-Wochen-Plan

WocheEinheit
1Übungen 1 bis 3, je die untere Wiederholungszahl, Wandsitz 20 Sekunden. Zweimal pro Woche.
2Alle 5 Übungen, Wandsitz 30 Sekunden. Zwei- bis dreimal pro Woche.
3Alle 5 Übungen in zwei Durchgängen, Wandsitz 45 Sekunden.
4Zwei Durchgänge plus 2 bis 3 Übungen aus den 12 Grundübungen oder mit dem Pilates-Ring.

Fang jede Einheit mit dem Roll Down an und beende sie damit. Das dauert eine Minute und lockert die Wirbelsäule.

Wand-Pilates, Matte oder Reformer?

Die Wand ersetzt kein Gerät, sie ist eine Hilfe für zu Hause. Wer merkt, dass ihm Pilates gefällt, hat zwei naheliegende nächste Schritte: das Mattentraining ausbauen, wie in Pilates für Anfänger beschrieben, oder eine Probestunde am Reformer, wo Federn den Widerstand liefern und die Bewegung führen. Was dich dort erwartet, steht in Was ist Reformer Pilates?. Studios in deiner Stadt findest du in unserer Studiosuche.